Das beste Hilfsmittel überhaupt

Das ist ganz klar die Methode der Methodenlosigkeit. Das will ich erreichen! Und zwar möglichst in allem! Ob ich gut mit meinem Moped unterwegs bin oder mit dem Auto, genauso beim Kochen oder Schreiben oder was auch immer – das Beste hole ich erst dann aus mir heraus, wenn ich keiner Methode mehr folge. Genau genommen, wenn ich ihr gar nicht nicht mehr folgen kann! Weshalb nicht?

Weil ich dann gar nicht mehr als ein ich existiere, das über etwas nachdenkt! Die Frage ist erst einmal, ob ich überhaupt auf Methoden verzichten kann. Angenommen, ich wäre ein Bauer, bräuchte ich dann nicht methodisches Wissen über Pflanzenwuchs oder Schädlingsbekämpfung? Oder wie mein Motorrad reagiert, wenn ich um eine Kurve fahre, also muss ich nicht nach dem berühmten Kammschen Kreis fragen?

Das erinnert mich immer an meinen Freund und Nachbarn, der mich von meinen ersten Fahrten auf dem Motorrad an begleitet hat. Er kannte den nämlich überhaupt nicht, sondern er sagte immer nur, ich solle auf meine Erfahrungen vertrauen. „Machs einfach!“ war seine klare und sehr präzise Anweisung. Es geht ja bei der Methodik immer nur um ein regelhaftes Verfahren zur Erlangung von [wissenschaftlichen] Erkenntnissen. Doch damit habe ich – vorausgesetzt, es gelingt mir, die Erkenntnis zu haben, dann habe ich erst einmal nur explizites Wissen. Das habe ich leidvoll beim Motorradfahren erkannt.

Zu wissen, wie ein Kammscher Kreis theoretisch funktioniert, heißt ja noch lange nicht, dass ich das auch in die Praxis umsetzen könnte. Habe ich mit Schmerzen begriffen. Wenn ich den Kammschen Kreis dann endlich anwenden kann, dann denke ich jedoch garantiert nicht mehr über ihn nach. Und mache ich das doch einmal während der Fahrt, fahre ich sofort schlechter. Über etwas nachzudenken bringt mich sofort aus dem Flow des Fahrens. Und den brauche ich definitiv, will ich das beste mir Mögliche realisieren. Das gilt übrigens absolut bei allem, was ich tue, nicht nur beim Motorradfahren.

Eine Methode ist nicht mehr als ein Rezept, also noch lange keine Anwendung. Es ist nur der Finger, der auf den Mond zeigt. Schaue ich weiterhin nur auf den Finger beziehungsweise auf die Methode, wird es nichts mit der Zielerreichung. Die setzt nämlich Freiheit von jeglicher Methode voraus! Gehen Sie mal in ein Klavierkonzert und fragen sie den Pianisten, geht auch bei Frauen, nach welcher Methode sie oder er denn die Tasten bedient. Ich bin mir sicher, sie werden zwei erstaunt blicken Augen und einige Stirnfalten vor sich sehen, aber keine Antwort bekommen.

Kochen, Klavierspielen oder Motorradfahren haben etwas gemeinsam: Es sind praktische Anwendungen. Ganz anders ist es, wenn ich mittels Methodik an das heran will, was ich denke. Da gibt es wohl nur eine einzige funktionierende Methode: Nichtstun, aber ohne eine Spur von Ablenkung, Grübeln oder Nachdenken. Was jetzt nicht bedeutet, sich nicht vorher ein paar Grundlagen angeeignet zu haben.