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Dafür oder dagegen?

Die einen sind dafür, die anderen dagegen; Weniges, worüber sich die Menschen einig sind. Ist der eine dagegen, dann wird sehr oft nicht nur die andere Meinung, sondern der andere selbst angegriffen.

Da braucht man nicht nach Amerika zu schauen, da genügt schon der Blick auf den ganz normalen Alltag, manchmal auch schon der Blick auf die eigene Familie. Und wenn man es genau nimmt, dann genügt eigentlich der Blick auf sich selbst. Oft genug hadere ich mit mir, weil ich doch das eine wollte, aber das andere getan habe. Oder ich sitze da und kann mich einfach nicht entscheiden, was ja auch eine Entscheidung ist.

Albert Einstein hat das sehr klar erkannt. Er sagte, dass wir ‚unseren Kreis der Leidenschaften ausdehnen, bis er alle lebenden Wesen und das Ganze der Natur in all ihrer Schönheit umfasst.‘

Nur sagte er das nicht als Mystiker, sondern als Wissenschaftler. Ein Blick in die tatsächlich nicht vorhandene Materie brachte ihn darauf. Daher bin ich der Ansicht, dass wir uns viel mehr mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Neuzeit beschäftigen sollten.

Erwin Schrödinger spann den Gedanken fort. Er sagte, ‚dass die Gesamtzahl von Geist (mind) im Universum eins ist.‘ Und weiter: ‚Tatsächlich ist das Bewusstsein eine Singularität, die in allen Wesen phasenweise auftritt.‘

Denkt man das zu Ende, dann sind der Nachbar und ich, mit dem ich gerade eine Auseinandersetzung hatte, scheinbar zwei Entitäten, die letztlich nicht getrennt sind. Hans-Peter Dürr hat es das in sich differenzierte Eine genannt. Einstein hatte es so formuliert;

‚Ein Mensch ist Teil eines Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Zeit und Raum begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken, seine Gefühle als etwas vom Rest Getrenntes, eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins.

Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns, sie beschränkt uns auf unsere persönlichen Wünsche und auf unsere Zuneigung gegenüber einigen wenigen, die uns am nächsten stehen.’

Ich lebe nicht gerne im Gefängnis. Doch erst einmal muss ich überhaupt bereit sein zu erkennen, dass ich mich selbst gefangen halte. Würde ich mich selbst aus diesem Gefängnis ‚befreien‘ würde ich dann nicht einen Beitrag zur Befreiung der Welt leisten? Jiddu Krishnamurti sagte einmal, dass ‚die höchste Form menschlicher Intelligenz sei, sich selbst ohne Urteil zu beobachten.‘ 

Das bedeutet dann aber auch den Anderen ohne Urteil zu beobachten.

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