Springe zum Inhalt →

Wissen, Mitteilung und Information

Der Strom der Informationen über das anwachsende Gewicht des Wasserbehälters des Kaffeeautomaten in meiner Hand machen es mir möglich, ihn ruhig unter dem Wasserhahn halten zu können, während er langsam immer voller wird. Darüber muss ich mir keine Gedanken machen, das kann ich. Es handelt sich um ein Erfahrungswissen, das ich im Laufe meiner Entwicklung zu implizitem Wissen gemacht habe. Doch was für mich so selbstverständlich und auch hilfreich ist, ist es in anderen Bereichen nicht oder auch nicht mehr.

Mein Erfahrungswissen etwa sagte mir früher, dass sich die Sonne und der Mond um die Erde drehen. Das erlebe ich auch heute noch so, doch mittlerweile weiß ich, dass es nicht stimmt. Wäre ich mir in jedem Augenblick meines Lebens dessen wirklich bewusst, was ich tatsächlich weiß, dann würde ich mich mit ziemlicher Sicherheit anders organisieren, anders leben. Also ist doch das Wissen, das ich habe, nicht unbedingt zu einer für mich relevanten Information geworden. So eine Art Spielerei oder ein Accessoire, mit der man sich im Gespräch schmücken kann, aber nicht wirklich lebensnotwendig.

Ich kann also eine Menge Wissen haben, das aber keine Information sein muss, mit der mein System tatsächlich arbeitet, dem es Bedeutung beimisst. Information ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht. Ein interessanter Gedanke von Gregory Bateson, über den es sich lohnt, einmal zu nachzudenken. Wissen wird also erst dann zu einer relevanten Information, wenn die Mitteilung funktioniert. Erst wenn ich eine passende Mitteilungsform gefunden habe, kann aus meinem Wissen die Information werden, die mich dann letztlich ausmachen wird.

Wenn man heute von Information spricht, dann denkt man an Nachrichten, an Mitteilungen, die vermeintlich nichts mit einem „machen“. Ich halte das für einen gravierenden Irrtum. Wir leiden unter einem regelrechten Informations-Overload, den wir nur ertragen, wenn wir „pelzig“ werden. Aber mir ein dickes Fell anzueignen und nicht mehr alles ernst zu nehmen, was ich an Informationen bekomme, macht mich leider auch für die Informationen taub, die ich hören sollte. In der Antike gab es diese Reduzierung der Bedeutung einer Information als Nachricht überhaupt nicht. In der Antike hieß ‚informare‘, in Form bringen, in Form setzen. Und genau so ist es auch.

Wir sind eben keine Maschinen. Mein Motorrad fährt wie vorher auch, egal welchen politischen Aufkleber ich auf dem Tank habe. Aber ich bin anders, wenn ich in meinem Denken einen politischen Aufkleber habe. Wir wissen zwar, dass weder die Erde noch die Sonne der Mittelpunkt des Universums sind, doch wir erleben die „Wirklichkeit“ anders. Machen wir unser Wissen nicht zu einer relevanten Information, sondern glauben, was wir unmittelbar wahrnehmen, leben wir unbewusst weiter in einem geozentrischen Weltbild – mit der Folge der Egozentrik. So wenden viele der heutigen Physiker die Erkenntnisse der Quantenphysik zwar technisch an, denken aber nicht über die damit einhergehenden fundamentalen Fragen nach. Sie leben also weiter wie im vorigen Jahrhundert, obwohl sie es „eigentlich“ besser wissen müssten.

Ein echtes Problem. Nehme ich diese fundamentalen Fragen wirklich als für mich relevante Information an, richte ich mein Leben danach aus. In der Antike – so Wolfgang Hofkirchner   wurde Information schon mit Selbstorganisation in Zusammenhang gebracht. Und zwar war man der Meinung, die Natur könne sich selber formen: informatur. So wurde das Verb damals gebraucht. Das bedeutet, dass sich die Materie spontan aus sich heraus formen, also eine neue Ordnung bilden kann. Heute wissen wir zwar mehr, aber die Grundidee ist korrekt.

Nur, was lässt Wissen zu Information werden? Worin liegt die „Mitteilung“? Ganz einfach im mich darauf einlassen. Sozusagen mit Haut und Haaren. Mit anderen Worten:

Konsequent denken. Denn so, wie ich denke, bin ich auch.

Veröffentlicht in Reflexionen