Springe zum Inhalt →

Wie leben?

Die Lösung für ein konkretes Problem, etwa wie ich erreichen kann, in meinem Tun nicht immer wieder abgelenkt zu sein, liegt allein in meiner Haltung, nicht in meinem Wissen darüber. Habe ich einen Weg gefunden, der mein Wissen zu einer formgebenden Information für mich hat werden lassen, wenn ich also die stimmige Mitteilung gefunden habe, dann werde ich auch die Haltung entwickeln, die mich konzentriert und aufmerksam tun lässt, was ich gerade tue, also ohne Ablenkung. Ein perfekter Zustand.

Doch da scheint sich die Katze in den Schwanz zu beißen. Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich so oft nicht umsetzen konnte, was ich „eigentlich“ wollte. Der Witz ist nämlich, dass ich genau so sein muss wie das, was ich erreichen will. Will ich nicht abgelenkt sein (Ziel), weil ich weiß, dass ich sonst nicht in den Flow komme (Wissen), muss ich exakt so leben, also konzentriert, fokussiert und aufmerksam (Haltung), dass ich in meinem Tun nicht mehr abgelenkt bin (Zielerreichung).

An genau dieser Stelle taucht das wirkliche „Problem“ auf. Denn ordentlich zu sein heißt ordentlich zu leben. Das bedeutet erst einmal ordentlich zu denken. Ich muss exakt so denken, wie ich also sein will. In dem Text „Zen des Putzens“ habe ich die Beschreibung des alltäglichen Tuns eines Mönchs gelesen, der sich (der Beschreibung, nicht dem Mönch) die Frage anschloß, wie diese Klarheit und Wertschätzung für Dinge auch in unserem Alltag erreichbar sein kann. Normalerweise kommen dann immer eine Menge Erklärungen. Dabei ist es ganz einfach. Sein, wie ich sein will. Wie heißt es doch im Ch’an immer? Die vielen Worte sind nur für die, die nicht verstehen.

Das beziehe ich übrigens nicht auf andere, sondern auf mich selbst. Wenn ich etwas verstehen will, es aber noch nicht begriffen habe, schreibe ich lange Texte darüber. Solche Texte kommen zwar bei den Lesern meist gut an, helfen aber nicht. Habe ich jedoch in meinem Denken keine Trennung mehr von Innen und Außen, dann fallen all diese Zwischenschritte fort, die die Brücke zwischen Innen und Außen herzustellen suchten. Eine wunderbare Ablenkung, die mich dummerweise nur in genau die falsche Richtung denken ließ.

Denke ich jedoch ohne diese Trennung, dann ist alles, was ich nutze und auch, die Räume, in denen ich lebe, nichts anderes als eine Extension meines Gehirns. So weit, so gut. Ich gehe jetzt nämlich aufräumen. Ich nenne das auch den Weg des Geistes gehen.