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Was bin ich eigentlich? II

Also einmal ganz grundsätzlich gefragt und gedacht. Heute früh döste ich im Halbschlaf vor mich hin und dachte darüber nach, dass ich oder wenn man so will mein Gehirn ja nichts anderes ist als eine Datenverarbeitungsmaschine. Klingt nicht sehr romantisch, ist aber wohl so, denn was sind Informationen anderes als Daten? Und genau die verarbeitet mein Gehirn.

Aber es ist ganz offensichtlich ein besonderes Konstrukt, was genau betrachtet nicht besonders, sondern (leider) ganz normal ist. Ich muss mich, wie schon auf Spektrum.de thematisiert, einfach einmal fragen, ob mein Gehirn zu seinen Leistungen einfach deswegen fähig ist, weil es eine Art Quantencomputer ist? Und finden in meinem Denken nicht auch Prozesse statt, die ohne quantenphysikalisches Wissen nicht erklärbar sind?

Dass ich mein Gehirn noch immer als einen besonderen Teil und nicht als etwas ganz normales ansehe ist vielleicht genau die Annahme, die ein Faktum in meinem Denken schafft – und damit die eigentlich möglichen Quantenprozesse zum erliegen bringt. Fakten schalten Quantenprozesse nun einmal aus. Die Schwierigkeit ist wahrscheinlich, dass Quantenprozesse dann erkennbar werden, wenn Materie im Größenbereich von Atomen, Molekülen und darunter beschrieben wird, so Michael Thorwart. Doch das bedeutet meines Erachtens nach nicht, dass sie auch nur da auftreten.

Darin liegt eine weitere Hürde, die es zu nehmen gilt. Wie kann ich Quantenprozesse in meinem Gehirn verifizieren, ohne mystizistischen Spekulationen zu erliegen? Schließlich postulierte Heisenbergs Mitstreiter Pascual Jordan schon 1932, dass die Frage, was die belebte Natur zum Leben bringt, durch die Gesetze der Quantenphysik beantwortet werden kann. Jordans Hypothese: Die Quantenphysik prägt nicht nur die Welt der kleinsten Teilchen, sondern auch das Verhalten von Biomolekülen. Das setzt sich fort, in Zellen, Organen – und schließlich in dem ganzen Körper.

Nicht ohne Grund haben Wolfgang Pauli und Carl Gustav Jung einen sehr ernsthaften Dialog über Quantenphysik und Psychologie geführt. Nur dass Jordan Mitglied in der NSDAP war und mit den Nazis sympathisierte, da dort seine Thesen einigen Anklang fanden, spricht nicht grundsätzlich gegen seine Annahmen. Aber die Schwierigkeit sich vom Mystizismus oder anderen kruden Theorien abzugrenzen bleibt.

Letztlich wäre es eigentlich logisch, auch mich selbst endlich aus der Enge meiner bisherigen Vorstellungen in die offene Weite der Quantenwelt zu entlassen. Nur muss ich dabei, wie gesagt, sehr aufpassen, nicht in das Mystizistische abzudriften. Jedenfalls sind meines Erachtens nach Quantenphänomene nicht geeignet, Fakten einfach einmal so umzudrehen. Also keine Quantenheilung. Was mir aber wahrscheinlich erscheint ist, dass ich wenn ich „meinen“ Quantenprozessen nicht im Wege stehe, gesund bleiben kann.

Quantenprozesse sind kein Reparaturservice, sondern ein kreatives Werkzeug, das es zu nutzen gilt. Was ich wunderbar verhindere, wenn ich alles in Modelle und Theorien packe. Die Wirklichkeit lässt sich nun einmal nicht definieren, sondern nur beschreiben. Die Zukunft lässt sich nicht planen, was jedoch nicht bedeutet, dass sie beliebig wäre.

Also bleibt die Frage, wie ich die offene Weite in meinem Denken ermögliche und was dann passieren kann.

Veröffentlicht in Reflexionen