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Informationen

Licht besteht aus Teilchen“ war ein Teil der Antwort von Anton Zeilinger auf die Frage, wie er einem Sechsjährigen seine Arbeit erklären würde. „Teilchen“, sagt er weiter, „die sich auf ganz verrückte Art und Weise verhalten.“ Ich möchte wetten, das Kind würde ihn nur mit kugelrunden Augen anschauen. Und auch viele Erwachsenen machen sich darüber keine Gedanken. Sie wissen das wahrscheinlich, aber leben sie entsprechend? Ich befürchte, dass sie das nicht tun.

Doch was bedeutet das jetzt für mich? Heißt das, dass ich ein zu Materie gewordener Geist bin? Zeilinger sagt in dem Video weiter, dass Information die Grundlage der Naturwissenschaften ist und nicht die Untersuchung einer materiellen Wirklichkeit. Und er empfiehlt aus dieser Erfahrung heraus, sich mehr um Naturphilosophie zu kümmern, um die modernen Naturwissenschaften mit Philosophie zu verbinden. Und in diesem Video weißt er noch einmal nachdrücklich darauf hin, dass Informationen entscheidend sind und Materie nicht das Wesentliche ist.

Es sind also nicht die Atome, die mich ausmachen, sondern die Informationen, die sie tragen. Wenn ich mir daher Gedanken darüber mache, wer oder was ich bin, dann ist die Substanz sekundär, entscheidend ist die Information, die damit transportiert wird. Das – und nichts anderes – macht mich zu dem, der ich bin. Es ist also Unfug zu denken, ich sei der, der ich bin, denn tatsächlich bin ich die Information, die ich repräsentiere. Dass es das „Ich“ nicht gibt, lasse ich jetzt einmal außen vor.

Angenommen, wir hätten die Möglichkeit, Menschen zu teleportieren und weiter angenommen, es gäbe eine Seele, dann wird genau genommen die Seele teleportiert, die sich dann an ihrem neuen Erscheinungsort neue Materie aussucht und sich wieder zusammenbaut. Die Informationen hat sie ja. Wenn ich das einmal weiterspinne und dabei davon ausgehe, dass alles irgendwie eine Art Quantenpampe ist, wie ich immer sage, dann macht die Information „Laptop“ oder die Information „Tisch“ ein Stück Quantenpampe zu meinem Laptop und ein anderes Stück zu dem Tisch, auf dem er steht.

Wenn dann noch die Information „Peter“ hinzukommt, bilde ich mich auch und schreibe diesen Text; natürlich erst, wenn dann noch die Information „schreib“ da ist. Wahrscheinlich ist die Quantenpampe ein indifferentes Energiefeld, dass erst durch die Information daraus die erforderlichen Atome und dann auch die notwendigen Funktionen entstehen lässt. Was natürlich die spannende Frage aufwirft: Wo kommt die Information her?

Zu einem Teil sind es ganz praktische Informationen, denn sonst hätte ich keinen Körper. Die Information bekomme ich mit der DNA geliefert. Aber natürlich auch sehr persönliche, nämlich über meine Vorfahren. Und da das noch nicht zu genügen scheint, bekomme ich über Memetik noch viel mehr an Informationen geliefert, etwa Informationen darüber, wie meine Eltern dachten, als ich gezeugt wurde, damit ich mich in der Welt zurechtfinden konnte. Sonst wäre ich wahrscheinlich ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Dumm nur, dass da auch eine Menge nicht so wirklich prickelnde ideologische Informationen dabei waren. Aber das Gute an Informationen ist, dass ich sie durch neue und eigene Erkenntnis austauschen kann. Es mag verrückt erscheinen, aber etwa bei Acrobat kann ich sehen, wie das funktioniert. Dort kann ich die Informationen ändern, die vom Dokumentersteller festgelegt werden können, es sei denn, die Datei wurde mit Sicherheitseinstellungen gespeichert, die Änderungen nicht zulassen. Ich brauche nur die Datei „Eigenschaften“ wählen und dort in dem Dialogfeld (Betonung liegt auf Dialog!!) „Dokumenteneigenschaften“ die Einträge auf der Registerkarte meinen Vorstellungen entsprechend löschen und neu eintragen.

Bedeutet das jetzt, dass ich nur die Einträge für meine Eigenschaften ändern müsste, wollte ich anders sein? Ich behaupte, dass es genau so ist, nur dass die Dokumentation ein bisschen komplizierter als bei Adobe gestaltet ist. Aber das Prinzip ist das Gleiche. Wichtig ist, dass ich mir bewusst bin, dass erst durch den Prozess der Mitteilung aus Wissen Information wird. Wie also teile ich mir selbst mit, was ich schon weiß? Klingt paradox, ist aber so. Erst wenn ich eine passende Mitteilungsform gefunden habe, kann aus meinem Wissen die Information werden, die mich dann letztlich ausmacht.

Veröffentlicht in Reflexionen