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Sprachliche Grenzen

Mindestens so vorsichtig, wie die beiden Motorradfahrer auf dem Bild die Straße Trollstigen in Norwegen befahren, so vorsichtig sollte man auch bei Gesprächen über die philosophischen Gedanken der Quantenmechanik mit Worten umgehen. Sehr, sehr gefährlich. Allzu leicht erlebt man da eine Bruchlandung, wenn man einmal nicht aufpasst.

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Der eine liegt darin, dass selbst Physiker die moderne Physik nicht wirklich unmissverständlich formulieren können, es sind einfach nicht viele Fragen offen. Vor allem bei Zeilinger fällt das immer wieder auf, wie äußerst vorsichtig er sich ausdrückt. Dabei darf man sich aber nicht davon ablenken lassen, dass das, was wir definitiv sagen können, nicht schon längst in unserem ganz normalen Alltag wie auch in der Wirtschaft „angekommen“ und emsig genutzt wird, sondern auch sehr vieles bisher Mysteriöses in unserem eigenen Leben verständlich macht.

Es gibt eine Menge Phänomene, die leider noch immer in die Ecke des Mystizismus gedrängt werden, die aber mit dem Wissen der Quantenphänomene durchaus verständlich werden. Andererseits darf man aber auch nicht verkennen, dass die Begriffe aus der Quantenwelt sehr oft ohne sie wirklich zu kennen benutzt werden, wie etwa den Quantensprung für etwas Großes, Gewaltiges, dabei ist ein Quantensprung tatsächlich nur eine absolut winzige Bewegung. Daher: Äußerste Vorsicht ist geboten!

Quantenphänomene sollten wirklich nur sehr, sehr vorsichtig besprochen werden, vor allem nicht, wenn sie nicht selbst verifiziert wurden. Aber das ist nicht alles. Ein weiteres und wirklich gewaltiges Problem ist unsere westliche Sprache, die ja ganz auf der klassischen Physik aufbaut und deren Logik absolut verinnerlicht hat. Nur ist das leider die Logik und Struktur der Newtonschen Physik. Und diese Strukturen haben wir mit der Sprache auch perfekt zu beherrschen gelernt. Vieles „sehen“ wir ganz selbstverständlich entsprechend, also mit der alten Logik. Doch bei genauer Betrachtung mit dem Wissen der Quantenphysik kommt man aus dem Grübeln nicht mehr heraus.

Die Quantenphysiker der ersten Stunde haben ja ernsthaft überlegt, ob es nicht eine neue Sprache bräuchte. Niels Bor, der Vater des bekannten Atommodells gilt ja als Begründer unseres modernen Weltbildes. Nur ist sein Modell eben ein Modell, das der tatsächlichen Situation absolut nicht gerecht wird. Oder nehmen Sie den Spin eines Elektrons, den man als Drehbewegung – rechts- oder linksherum – beschreibt, der jedoch etwas völlig anderes ist. Nur wie beschreiben? Oder wenn von Geist oder Bewusstsein die Rede ist, dann ist sicher nicht den dem die Rede, was man sich üblicherweise unter Geist oder Bewusstsein vorstellt.

Spricht man über quantenphysikalische Phänomene, dann ist das so, als würde man das erste Mal in seinem Leben mit einem Motorrad fahren. Und das gleich auf der Trollstigen-Route. Sicherlich einer der Gründe, warum sich viele erst gar nicht darauf einlassen wollen und lieber weiter machen wie bisher auch schon. Nur dass sie dafür einen verdammt hohen Preis bezahlen; sie sehen die Wirklichkeit nicht, wie sie wirklich ist.

Die Quantenphysik und vieles, was damit zusammenhängt, legt nahe, dass wir offensichtlich in einer Illusion zu leben scheinen. Doch tatsächlich ist exakt das die Illusion, nämlich diese (scheinbare) Illusion nicht zu erkennen. Es geht einem wie den Skeptikern, die nach einer ordentlichen Verunsicherung und vielen Fragezeichen plötzlich erkennen, dass sie festen Boden unter den Füßen haben – wenn sie den Skeptizismus nicht zum absoluten Prinzip erheben und alles aus Prinzip anzweifeln.