Beziehungen gestalten

Kein einfaches Thema.

Dass wir eine Beziehung gestalten können, bedeutet nicht, dass natürliche Beziehungen beliebig wären. Natürliche Beziehungen folgen ganz klaren Regeln, nämlich dem Erhalt des Lebens.

Nur ist es uns Menschen bisher noch nicht gelungen, diese Regeln zu definieren. Mir jedenfalls sind sie nicht bekannt. Allenfalls können wir sie ethisch und moralisch umschreiben.

Wir wissen zwar, was diese Regeln definitiv stört, doch wir können nicht sagen, was sie fördert – außer mit Allgemeinplätzen.

Vordergründig frisst der eine den anderen und es scheint das Recht des Stärkeren zu herrschen. Tatsächlich ist es jedoch nicht so. Das oberste Prinzip ist, dass das Leben an sich erhalten wird.

Das ist keine Philosophie, sondern ergibt sich aus der Beobachtung der Natur. Daraus kann man schließen, dass Tiere einem grundlegenden kosmischen Gesetz folgen, der Mensch jedoch nicht mehr.

Da das so ist, muss der Mensch dieses Defizit durch Ethik oder wenigstens Moral ausgleichen. Nur so sind wir Menschen in der Lage, unsere Beziehungen einigermaßen funktionsfähig zu erhalten. Nur gelingt uns das selten auf Dauer.

Auch dafür haben wir eine Menge Erklärungen. Aber es sind nur Erklärungen, die uns reduzierte Sichtweise beruhigt. Daher brauchen wir Ethik, um dieses Defizit auszugleichen.

Andererseits können wir die Elemente zusammentragen, die wir kennen. Etwa unsere Erkenntnisse aus der Quantenmechanik und unser Wissen über komplexe System.

Die Schwierigkeit, Beziehungen „zu gestalten“ liegt in der regelmäßig damit verbundenen Emotionalität. Beziehungen und Emotionen gehen immer Hand in Hand, bedingen sich gegenseitig, auch wenn nicht unbedingt beide Aspekte gleichermaßen gut zu erkennen sind.

Suche ich „meine“ Beziehung zu gestalten, dann gestalte ich damit zwangsläufig auch „meine“ Emotionalität – ob mir das bewusst ist oder nicht. Spreche ich über eine Beziehung, ist es daher meines Erachtens nach ratsam, meine damit verbundenen Emotionen zu umgehen, indem ich bewusst nur über Fakten spreche.

Beziehungen wie Emotionen sind beide ausgesprochen Stabil, was nicht bedeutet, dass sie auch von jetzt auf gleich geändert werden können. Das hängt davon ab, wie ich darüber denke. Das geht nämlich beidem voraus! Denke ich anders als bisher, verändern sich auch meine Beziehungsstrukturen – und meine Emotionalität wird anders.