Beziehung

War es die Erkenntnis, dass alles Beziehung ist, was die Quantenphysiker so ganz anders denken ließ? Ich kann sie leider nicht fragen, aber ich denke, es ist so.

Man braucht sich nur vor Augen zu halten, dass es nichts Eigenständiges, aus sich selbst heraus Existierendes gibt. So formulieren es die Ch’an-Menschen, Quantenphysiker reden eben über Beziehung. Ich will mal aufzeigen, wie ich das sehe. Also von vorne:

Einen Regenbogen zum Beispiel gibt es genau genommen nicht. Er entsteht, wenn das Licht auf in der Luft befindliche Wassertröpfchen trifft, gebrochen wird und dann auch noch jemand da ist, der das Ganze sieht und auch noch zur Kenntnis nimmt. Ein Regenbogen hat also nichts Eigenes, er ist ganz klar ein Phänomen.

Aber das Licht gibt es genau genommen auch nicht, sondern Photonen, die durch das All sausen, die aber auch mal als Welle daherkommen. Was wiederum vom Beobachter abhängt, denn wenn der nicht da ist und was beobachtet, was ist es dann? Die Frage stellen sich Quantenphysiker ganz ernsthaft, nur kann man das leider nicht beobachten. Ch’an-Menschen fragen sich das übrigens auch und haben erkannt, dass es darauf keine Antwort gibt. Was Ch’an so mystisch erscheinen lässt, was es aber nicht ist.

Einen Regenbogen oder das Licht kann ich also wahrnehmen, aber sie existieren nicht aus sich selbst heraus, haben keine eigene Existenz. Es sind nur Phänomene. Aber die Luft? Die besteht ja einmal aus Teilchen (die für sich gesehen Phänomene sind) und die durch die Gravitationskraft (die in Wirklichkeit keine Kraft ist) „festgehalten“ wird. Also auch nichts, das aus sich selbst heraus existieren würde. Und das Wasser? Auch hier ist es das Gleiche.

Wasser besteht ja aus Wasser- und Sauerstoffatomen, die eine Beziehung (!) miteinander eingegangen sind, weil sie dann stabiler sind. Das kann Ihnen ein Chemiker besser erklären, warum das so ist, aber es ist so. Aber jetzt wird es spannend, denn jetzt kommt der Beobachter. Also Sie oder ich oder etwas anderes mit Augen und einem Gehirn, das Regenbogen kennt.

Also ich selbst bin ja auch nur ein Phänomen, auch wenn ich immer von mir rede, als würde ich ganz real existieren. Tue ich aber nicht. Ich bestehe auch nur aus einer riesigen Menge von einzelnen Zellen. Da will ich mal aufhören, denn auch die Zellen sind wiederum nur Phänomene, die aus etwas ganz anderem zu bestehen scheinen. Wie gesagt scheinen, denn wenn man die scheinbar real existierenden Dinge immer weiter untersucht, bleibt am Ende nichts, das für sich eine beständige Existenz hätte.

Und sehen kann ich den Regenbogen auch nur, wenn es in meinem Gehirn die Repräsentation eines Regenbogens gibt, wenn ich also „weiß“, was ein Regenbogen ist. Mit anderen Worten, in meinem Geist existiert das Bild eines Regenbogen-Phänomens. Wie mein Geist dazu kam, das Phänomen Regenbogen wahrzunehmen, ist ja spannende Frage. Ich würde sagen, er hat einen Regenbogen zu denken gelernt. Was aber die Frage aufwirft, ob der Geist, der Regenbögen denken kann, sich also des Phänomens „Regenbogen“ bewusst ist, letztlich nicht eine Ausformung des selben Geistes ist, den die Quantenphysiker als Grundbaustein der Materie annehmen? Wahrscheinlich ist es so. Ich sage wahrscheinlich, weil ich es nicht belegen kann, aber es ist meine Überzeugung.

Wenn ich das jetzt einmal systemisch betrachte, dann ist „Beziehung“ ein Arbeitstitel für den Umgang und das Verhalten des einen Elementes zu einem anderen Element, die allesamt aber nicht für sich aus sich heraus existieren, sondern letztlich nur Geist sind. Geist und dann (?) Quanteninformation. Auf dieser Basis oder Ebene denkt es dann.

Aber „Beziehung“ ist, jedenfalls finde ich das, ein guter Arbeitsbegriff, damit wir einigermaßen konstruktiv über die Dinge reden können. Doch wir dürfen uns nicht daran festbeißen, denn auch das ist nur relative Wirklichkeit. Für uns ist wichtig zu erkennen, dass wir „Beziehung“ auch nur denken.

Letztlich komme ich immer auf der rein geistigen Ebene an. Beziehungen nehmen wir emotional wahr, leider oft nur so und blenden die mentale Ebene aus. Was fatale Auswirkungen hat, denn unser Geist ist wesentlich flexibler als unsere Emotionen. Lohnt sich, das einmal auszuprobieren.