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Bewusstsein und ich

Kein Unterschied. „Unser Geist ist wie trübes Wasser, der Staub setzt sich von ganz alleine ab, wenn wir nur aufhören, ständig darin herum zu rühren.

So denken die Ch’an-Leute. Was jetzt nicht bedeutet, dass ich still wie ein Stein herumsitze, sondern dass ich meinen Geist still sein lasse während ich eben tue, was ich gerade tue, also all das Nachdenken, Überlegen und Grübeln einfach sein lasse.

Das kannten auch schon die alten Griechen in ihren philosophischen Überlegungen. Sie nannten es Athaumasie. Damit bezeichneten sie die Eigenschaft eines Menschen, über nichts zu staunen oder sich zu wundern – insbesondere nicht über jene „Größen des Lebens“, durch die der Alltagsmensch sich imponieren und verblüffen läßt: seien es Götter- oder Hadesfabeln, die ihm bange machen, seien es Reichtum, Ehre und Macht, die seine Gier und seinen Neid erregen.

Doch damit diese erstrebenswerte Geistesruhe nicht in Beliebigkeit und Gleichgültigkeit abrutscht, brauche ich eine für mich selbst erkannte Ethik, die mich die Dinge tun lässt, die zu tun sind. Also keine Ethik übernehmen, sondern selbst erkennen. So definiere ich die Form meines Bewusstseins selbst, statt dass ich nicht oder nur vage weiß, wo die Form herkommt, die mich erkennen lässt, was ich eben erkenne.

„Bewusst zu sein“ bedeutet für mich nicht, dass ich außerhalb von mir etwas bewusst wahrnehmen könnte, sondern nur, dass ich mir einer Sache bewusst bin, also denke, dass es so wäre. Diese „Sache“ ist aber nicht da draußen, das sehe ich nur so. Jedenfalls leider noch. Aber ich übe.

Was immer ich mir bewusst bin, bin ich selbst. Was ich erlebe, passiert in meinem Geist, wobei man hinter „meinem“ gerne ein Fragezeichen machen darf. Was immer ich empfinde und wahrnehme ist die Gestalt, die mein Bewusstsein gerade annimmt.

Daher achte ich darauf, was mir bewusst ist, denn genau so bin ich.

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