Bewusstheit

Der einzige Weg zur Wirklichkeit. Kein Konzept und keine Methode kann mich erkennen lassen, was wirklich ist. Allein Bewusstheit kann das. Doch die Wirklichkeit unmittelbar wahrnehmen, das kann ich nicht – wenn ich mir dessen bewusst bin.

Auf der körperlichen Ebene kann ich mir durch die Bewegung bewusst werden, was körperlich wirklich ist – eben Bewusstheit durch Bewegung. Die „Instruktion“ liefert mir das Skelett, die Muskeln und Sehnen. Ohne einen Feldenkrais-Lehrer war es für mich jedoch nicht möglich, mir der Struktur meines Körpers wieder bewusst zu werden, zu sehr war ich in eine unzutreffenden Strukturverständnis verfangen – das Falsche war ganz einfach viel zu gewohnt geworden, zu normal.

Wichtig war für mich die Erfahrung, dass ich die Bewusstheit für meinen eigenen Körper durch den alltäglichen Gebrauch verloren hatte und die durch das scheinbar Normale eingeschränkten Bewegungen für gegeben hielt. Dadurch erkannte ich, was geht und was nicht und vor allem, wie es gehen kann.

Das hat mich ein Stück Beweglichkeit zurückgewinnen lassen und das Bewusstsein dafür, dass noch viel mehr möglich ist. Das ist so auf der körperlichen Ebene, nicht anders verhält es sich auf der geistigen Ebene. Auch hier habe ich mir durch Modelle und Konzepte meine geistige Beweglichkeit regelrecht selbst genommen. Und auch hier ist ein Denken „normal“geworden, das alles andere als korrekt war, ging es doch von Annahmen aus, die nicht stimmig waren.

Wie mein Körper hat mein Denken eine Struktur, die eng mit der Wahrnehmung wie mit Emotionen verbunden ist. Erst wenn ich diese Struktur wieder bewusst erkannt habe, kann ich mich frei im Denken bewegen, was nicht bedeutet, dass ich denken könnte, was ich will. Die Gedanken sind nur in den Grenzen ihrer Struktur frei.

Wie beim Körper brauche ich auch hier eine Anleitung, um wieder korrekt denken zu können, letztendlich durch NichtDenken zu denken. Wie beim Körper kann auch hier ein unzutreffendes Selbstbild das mir Mögliche erhebliche behindern. Auch hier geht es darum, die richtigen Strukturen wieder zu erkennen – und nicht weiter an den unzutreffenden Konzepten und Methoden festzuhalten – auch wenn die sich so stimmig anfühlen.

Leider ist es so, dass das, was ich für korrekt ansehe, eben auch mit den entsprechenden positiven Emotionen verbunden ist – leider auch, wenn die nicht stimmig sind. Emotionen sind ja kein Kriterium für richtig oder falsch, sondern nur für das, was ich als richtig oder falsch ansehe.

Bin ich mir all dieser Dinge bewusst, kann ich die Wirklichkeit ergründen – aber nicht die Wahrheit. Die kennt kein Mensch. Darüber rede ich schon lange nicht mehr.

Mir genügt es zu sehen, was wirklich ist. Dazu brauche ich Bewusstheit meiner selbst. Das bedeutet vor allem, mich allein auf das Denken durch NichtDenken zu verlassen. Aber das ist nicht alles, ich muss auch bestmöglich über die Struktur des Denkens Bescheid wissen, Ohne dieses Wissen kann ich mich nie auf der sicheren Seite wähnen.

Eines ist klar: Bewusstheit kommt ohne Wissen nicht aus. Und es ist nochmals etwas anderes, wirklich so zu leben, also mir nicht nur meiner selbst bewusst zu sein, sondern auch so zu sein, wie ich sein will. Mit anderen Worten: Mich nicht anzupassen.