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Begriffe

Wir müssen darauf achten, uns in Gesprächen und erst recht bei Dialogen nicht in Begriffen zu verfangen. Ist uns bewusst, dass Begriffe wie Information, Geist, Bewusstsein oder Intelligenz nicht definiert werden können, sondern nur das jeweilige Verständnis dessen beschreiben, der sie verwendet, dann haben wir für die Verständigung und den Dialog schon viel gewonnen.

Es ist eine Herausforderung, sich dessen immer wieder bewusst zu sein und eigene wie fremde Gedanken nicht vorschnell in Schubladen einzusortieren. Unser Ziel muss es sein, das nie zu vergessen oder zu übersehen. Schleicht sich in ein Gespräch zu schnell das Gefühl ein, dass man ‚schon’ verstanden hätte, dann übersieht man leicht, dass durch den Gesprächspartner mit dem verwendeten Begriff möglicherweise etwas ganz anderes zu beschreiben versucht wurde.

Begriffe sind nun einmal nie das, was mit ihnen be- und umschrieben werden soll. Spreche ich etwa von ‚mir‘, dann spreche ich über ein Kollektiv von Zellen, das sich, mystisch ausgedrückt, zusammengetan hat, um für eine Weile ‚Ich‘ zu sein. ‚Ich‘ existiere nur in dieser Form, die ein anderer wahrnimmt, wenn er mich sieht, weil sie in ihrer jeweiligen Form existieren. Sterbe ich, sterben auch sie und wenn die Zellen nicht mehr wollen, sterbe auch ich. Genauer: Ich sterbe, weil sie sterben. Und umgekehrt. Wer aber stirbt dann?

‚Ich‘ existiere nur, weil ‚sie‘ existieren, Das bedeutet, dass die Differenzierung in ‚ich‘ oder ‚sie‘ letztlich falsch ist, denn das suggeriert, dass entweder ‚ich‘ oder ‚sie‘ existieren würden, was aber nicht der Fall ist. Selbst wenn ich von einem Prozess spreche, ist das auch nur eine Beschreibung. Zwar anders, aber eben eine Beschreibung.

Ich kann also etwas als getrennt wahrnehmen, was es aber nicht ist. Was ein Paradox zu sein scheint ist tatsächlich keines, denn das ist es nur solange, solange ich es nicht wirklich ‚begriffen‘ habe. Dann werde ich zwar immer noch von ‚mir‘ sprechen, aber etwas ganz anderes erleben. Von meinem Begreifen, also von meinem Denken, hängt ja ab, was ich wie wahrnehme.

So ist es auch bei ‚der‘ Menschheit und ‚dem‘ einzelnen Individuum. Weder das eine noch die anderen existieren für sich beziehungsweise aus sich selbst heraus. Und stelle ich das dann in den nächst größeren Zusammenhang, habe ich wieder das selbe Thema, die selbe gedankliche Herausforderung. Aber das muss man erst mal in den Kopf bekommen, eine wirkliche Aufgabe. Nicht, dass das schwer zu denken oder zu verstehen wäre, nur ‚sabotiert’ so zu denken unser jeweiliges Weltbild auf ganz hinterhältige Art und Weise.

Wenn ich beispielsweise von der Hose spreche, die ich trage oder was es heute Abend zu essen geben wird, dann definieren die Worte ‚Hose‘ oder ‚Spagetti Bolognese‘ scheinbar klar und eindeutig, um was es geht. Betrachtet man das jedoch einmal ganz genau, dann stellt man leicht fest, dass, je detaillierter man darüber zu kommunizieren sucht, diese eigentlich ganz klaren Begriffe mehr und mehr zu verschwimmen. Tatsächlich verschwimmen sie nicht, sondern die Menge der Details, die man dafür im ‚Blick’ haben muss, will man darüber reden, wächst gewaltig an. Sie sind also nur so lange ‚klar‘ und ‚eindeutig‘, so lange man nicht genau hinschaut. Es sind nur Oberbegriffe, die aber die Kommunikation in unserem Alltag einfach machen.

Was im Alltag hilfreich und auch sinnvoll ist, ist es nicht mehr, wenn wir grundsätzliche Gespräche über das Leben führen wollen. Oder über uns. Doch genau diesen Fehler machen wir, wenn wir in solchen Gesprächen denken, wir könnten Begriffe wie Information, Geist, Bewusstsein oder Intelligenz eindeutig und klar definieren. Wir können immer nur Aspekte beschreiben, in der Hoffnung, dass der andere sie wie wir selbst versteht.

Das wissen wir eigentlich schon ziemlich lange, nur wirft solche Themen oder Fragen mittlerweile nicht nur die Philosophie auf, sondern auch die Physik, was meines Erachtens nicht übersehen werden darf, bringt es doch nicht nur Wissenschaft und Philosophie wieder näher zusammen, sondern macht auch deutlich, dass die Prinzipien, nach oder mit denen sich das Universum organisiert oder organisiert wird, für alles Existierende identisch sind.

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