Befreiung? Wovon? Und wozu?

Eine interessante Frage, scheinbar nach einem ‚Warum?‘ Doch das ist es nicht wirklich. In dem ‚Tai I Gin Hua Dsung Dschi‘, dem ‚Geheimnis der goldenen Blüte‘, ist dieser fantastische Gedanke zu lesen: „Wenn man den Zweck dazu benutzt hat, um Zweckfreiheit zu erreichen, dann hat man das Wesentliche begriffen.“ Ein klassischer Fall von Transzendenz!

Transzendenz bezeichnet in der Philosophie, insbesondere in der Metaphysik und in der Theologie eine angenommene, immaterielle „zweite Seite“ der Realität, die grundsätzlich jenseits der Grenze der menschlichen Erfahrungswelt liegt und sich nicht in den üblichen Kategorien von Zeit und Raum oder mit Hilfe von Verstand und Logik beschreiben lässt.

Doch das wirft wieder eine andere Frage auf. Es gab ja schon vor langer, langer Zeit Menschen, die die Wirklichkeit als das wahrnahmen, was sie tatsächlich war und noch immer ist, nämlich unbeständig. Genauso gab es schon immer Menschen, die das ganz anders sahen, vor allem sahen sie sich selbst als etwas aus sich selbst heraus Existierendes an. Was natürlich nicht sein kann, aber irgendwie ist das offensichtlich sehr schwer aus den Köpfen zu bekommen. Doch welchen Sinn macht es, dass die einen etwas begreifen, was für die anderen schlichtweg Quatsch ist?

Eines ist sicher, der Sinn des Kosmos ist nicht formulierbar, nur lebbar. Und dazu muss man sich ganz offensichtlich die unsinnige Frage nach dem Sinn stellen, um den Sinn leben zu können, selbst wenn er nicht zu benennen ist! Ich nutze die Zweckfrage nach dem (Lebens-)Sinn, um in der Zweckfreiheit den Sinn erfahren zu können.

Und genau da steckt vielleicht das Thema: Viele suchen dem Sinn einen Sinn zu geben, den es aber nicht hat. Was natürlich nicht gehen kann, so wenig, wie ich mein Gesicht ohne Spiegel betrachten könnte. Das Auge sieht sich selbst nicht, kann es nicht – nur im Spiegel, und da nicht so, wie es ‚wirklich‘ ist, allein die Oberfläche ist sichtbar, nichts sonst! Wie oft aber ‚sehen’ wir einen anderen Menschen und maßen uns an zu glauben, wir wüssten, was mit ihm los ist!

Eine sinnlose Sinnsuche führt ja zur Sinnlosigkeit und eben nicht zur Sịnnhaftigkeit! Wie sollte das auch gehen? Es sei denn man sucht (siehe das Zitat oben!) über die Sinnlosigkeit beim Sinn anzukommen. Nun könnte man meinen, das sei jedermann Sache, womit er sich beschäftigt. Ist es aber nicht, denn alles ist letztlich das Eine, nur eben differenziert. Also hat das, was ich tue, ein Bedeutung für das Ganze.

Wovon will ich mich also befreien? Ganz klar, von allem Falschen, also jedem falschen Denken. Ds ist das Einzige, was ich tun muss und auch kann, denn dann bleibt nicht Nichts übrig, sondern das absolut Wahre, das ich aber nicht benennen kann und auch nicht benennen wollen darf. Daher rede ich vom Falschen und nicht vom Richtigen.

Also meistens.