Ansichtssache!

Ist wirklich alles Ansichtssache? Auch wenn wir aus der Quantenphysik wissen, dass wir selbst die Realität definieren, in der wir leben, zumindest in einem gewissen Umfang, so gibt es doch Dinge, über die man sich einig sein sollte. Dank der Erkenntnisse aus der Quantenmechanik wissen wir ja, dass es in unserem Erleben keine Objektivität gibt.

Das bedeutet erst einmal, das ich mir Kommentare, die von „richtig“ oder „falsch“ geprägt sind, erst einmal verkneifen sollte, schließlich muss ich ja erst ein paar Meilen in den Mokassins eines anderen gelaufen sein, um ihn überhaupt verstehen zu können. (Alte Indianerweisheit, aber sehr zutreffend!) Da wir ja in der Welt des Relativen leben, denn nur die können wir erleben, ist hier Schluss mit richtig oder falsch.

Nun ja, nicht ganz. Zumindest kann ich fragen, wie der andere darauf kommt, etwa, dass ich schlecht gelaunt wäre oder er fragt mich, weshalb beziehungsweise worüber ich mich gerade amüsieren würde. Emotionen zu haben ist ja das eine, das andere ist zu wissen, weshalb man sie hat. Über die Emotionen als solche kann man nicht reden, die hat man oder eben nicht; worüber man aber reden kann – wenn man dazu bereit ist und das möchte–, das ist, was sie hervorgerufen hat, durch welchen Gedanken sie also letztlich ausgelöst wurden.

Darüber kann man reden, nämlich ob Emotionen einen gedanklichen und keinen tatsächlichen Grund haben. Den können Emotionen nicht haben, denn sie folgen ja dem Denken – und nicht etwa der Wahrnehmung. Hier also gibt es ganz klar „richtig“ oder „falsch“. Nehme ich etwa an, meine Emotionen gründeten alleine in dem, was beispielsweise ein anderer tut, dann ist das schlicht und ergreifend falsch. Über meine Interpretationen des Verhaltens des anderen wiederum kann man nicht sagen, dass sie richtig oder falsch wären. Das ist Ansichtssache, eben eine Interpretation.

Also muss ich immer Grund oder Folge klar unterscheiden. Die Schwierigkeit ist wohl, dass wir vieles als Grund ansehen, was aber tatsächlich „nur“ eine Folge ist. Das passiert, wenn man den Dingen nicht richtig auf den Grund geht  und zu früh damit aufhört, die Dinge weiter zu untersuchen, sich also zu schnell mit dem zufrieden gibt, was man erkannt zu haben denkt. Ein fataler Fehler, oft mit gravierenden Folgen für die weitere Kommunikation. Die ist dann nämlich in der Regel zu Ende und es beginnen die Streitereien, weil der eine von einem Grund, der andere von einer Folge ausgeht.

Das ist jedoch nicht alles, was einem als Hürde in Gesprächen begegnen kann. Solche Hürden liegen auch in dem Verständnis, das man von Begriffen hat. Ein Beispiel: Einstein hat einmal Folgendes gesagt: „Alles ist Energie! Gleiche Dich der Frequenz der Realität an, die du möchtest und du kreierst diese Realität. Das ist keine Philosophie. Das ist Physik!“ Schwierig wird es, wenn man bei dem ersten Satz bleibt, dass alles Energie ist. Wenn ich dann glaube, dass es darum geht, mit der Energie zu arbeiten, dann ist das schlicht falsch. Denn das sagt Einstein nämlich nicht, er sagt vielmehr, dass man mit der Frequenz der Realität arbeiten muss, will man Realität kreieren.

Also denkt Einstein wohl eine Ebene tiefer, grundsätzlicher; denn die Energie ist immer neutral. Mit der selben Energie kann ich etwas abfackeln oder eine Maschine antreiben. Energie ist einfach nur Energie, die Absicht aber, mit der sie benutzt wird, macht den Unterschied. Im Grunde ist es auch nicht die Frequenz, die den Unterschied macht, sondern meine Absicht, mit der ich mich auf eine bestimmte Frequenz einstelle.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Welt, die wir wahrnehmen, ist immer nur die eigene, subjektive (Gedanken-) Welt. Doch die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten, die im Kosmos herrschen, also auch in mir, über die kann man nicht diskutieren, die sind nun mal so. Was jetzt nicht bedeutet, dass sie in Stein gemeißelt wären, jede neue Erkenntnis schreibt sie fort. Und genau da fängt für viele das Problem an.

Ich meine nicht, dass ich diese Gesetzmäßigkeiten wirklich erkennen könnte, das kann ich definitiv nicht, das können nur Wissenschaftler. Diese Erkenntnisse darf ich nicht interpretieren; das ist zwar verlockend, aber sehr gefährlich. Was ich aber kann und auch muss, das ist darauf meine Weltsicht aufzubauen. Und da wird es dann wieder subjektiv.