Vertrauen

Ja, aber wem? Der einzige Mensch, dem ich mittlerweile vertraue und dem ich zukünftig ausschließlich vertrauen werde, das bin ich selbst. Klingt ein wenig schräg, ist aber so.

Einem anderen zu vertrauen heißt nämlich nichts anderes, als ihm gegenüber eine Erwartungshaltung zu haben: „Ich erwarte von Dir, dass Du Dich entsprechend meiner Erwartungshaltung verhältst.

Vertrauen bezeichnet die subjektive (!) Überzeugung von der Richtigkeit, Wahrheit von Handlungen, Einsichten und Aussagen bzw. der Redlichkeit von Personen. Vertrauen kann sich auf einen anderen oder das eigene Ich beziehen. So kann man es bei Wikipedia nachlesen.

Vertrauen ist also meine eigene subjektive Einschätzung und hat überhaupt nichts mit demjenigen zu tun, in den ich mein Vertrauen setze. Mein Vertrauen ist also nichts anderes als meine eigene, subjektive Erwartungshaltung. Und es ist auch keine Einschätzung, allenfalls eine Projektion meiner vergangenen Erfahrung in die Zukunft.

Was natürlich bedeutet, dass mich niemand in meinem Vertrauen enttäuschen kann – nur ich selbst kann das. Wenn ich dann missmutig feststelle, dass der andere mich enttäuscht habe, dann bedeutet das nichts anderes, als dass meine eigene Täuschung „enttarnt“ wurde. 

Eigentlich sollte ich dafür dankbar sein, denn es ist ein Hinweis darauf, wo mein Fehler lag: Statt achtsam zu sein und genau auf das zu achten, was sich ereignete, habe ich lieber vertraut – und damit jegliches Gewahrsein schlicht ausgeschaltet.