Soll ich Fantasy ernst nehmen?

Ob in Sciencefiction, in Geschichten oder in Gewaltfilmen wie in Schnulzen, in Nachrichten oder Talkshows – in allem finde ich das, was Menschen denken. Und allein deswegen sollte ich es ernst nehmen, statt mir darüber den Kopf zu zerbrechen, wie verrückt und unsinnig oder falsch es denn sein könnte oder meiner Ansicht nach auch ist.

Aber ist es egal, was die Menschen so denken und wofür sie sich interessieren? Denn wenn sie es denken, ist es in der Welt. Und alles Geistige bestimmt das, was wir als Realität bezeichnen, also was objektiv zu sein scheint, ist es aber leider nicht. Doch das bedeutet nicht, dass es meine Realität wäre, es beeinflusst die Realität an sich. Meine Wirklichkeit ist noch einmal etwas anderes.

Die Quantenmechanik hat eine sehr eigenwillige Definition von Realität: Danach hat ein Teilchen erst dann eine bestimmte Eigenschaft, wenn es von einem Forscher vermessen wurde. Bis zum Zeitpunkt der Messung hat das Teilchen alle möglichen Eigenschaften gleichzeitig – und die Quantentheorie kann nur vorhersagen, wie wahrscheinlich eine Eigenschaft ist. Eine physikalische Messung hat demnach kein festes Ergebnis – sondern ähnelt dem Werfen einer Münze.

Und mit der Lokalität ist es nicht anders: In der Quantenmechanik lassen sich Teilchenpaare erzeugen, bei denen die Messung des Teilchens A die Eigenschaft des Teilchens B festlegt. Man sagt, die Teilchen sind „verschränkt“. Das Erstaunliche: Das funktioniert ohne den Austausch von Signalen und auch, wenn die Teilchen beliebig weit voneinander entfernt sind. Einstein bezeichnete diese Konsequenz einst als „spukhafte Fernwirkung“. 

Dies bestätigte John Bell 1964, indem er die Theorie für einen entsprechenden Versuch fand. Und siehe da: Genau so ist es auch. Versuche bestätigen das immer wieder. Also leben wir nicht in einer lokal-realistischen Welt? Scheint so zu sein! Information ist also der Grundbaustein des Universums. Und in der Welt der kleinsten Teilchen hat das Bewusstsein ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Mal angenommen, das ist wirklich so. Was bedeutet das dann für mich? Und die Menschen überhaupt? Was wir denken, bleibt also nicht nur bei uns, sondern wandert in der Welt umher. Mems sagt man dazu. Und wo sich zwei Gedanken treffen und sich mögen, freuen sie sich und suchen noch andere, die auch ihr Lied singen. Treffen sie auf Mems, die ganz anderen Gedanken folgen, kloppen sie sich mit denen rum.

Diese Mems sind sehr interessiert an Menschen, die es sich einfach nur gut gehen lassen. Die treiben nur so dahin und sind empfänglich für alles, was da so herumschwirrt. Denn sie merken nicht, wenn sich ein Mem mit ihm angenehmen Gedanken in ihrem Gehirn verbündet. Und schon nimmt das Ganze einen anderen Lauf.

Der überwiegende Teil der Menschheit nimmt sich selbst und die Welt, in der er lebt, entweder aus einer materialistischen oder aus einer idealistischen Position heraus wahr. Beides aber sind Vorstellungen. Und der sogenannte Default Modus Network (DMN), der Arbeitszustand des Gehirns, ist ein Zustand, in dem sich Geschichte an Geschichte reiht und der immer im Fiktiven landet. Aber nicht in der Realität. Fiktionen sind nicht die Realität.

Und diesen Zustand lieben die Mems, denn da können sie problemlos andocken. Scheint ja keiner zu merken. Doch es gibt einen Trick dagegen: Statt Rosamunde Pilcher anzuschauen und noch ein bisschen mehr in die Fiktion abzutauchen, sollte man ganz bewusst Sciencefiction anschauen und sich dabei vollkommen bewusst sein, dass Fiktionen nicht die Wirklichkeit und erst recht nicht die Realität sind.

Also frage ich mich immer, was die Fiktion mit meiner Lebenswirklichkeit zu tun hat und welche Perspektiven sich mir zeigen. Es geht mir nie nur um den Film, sondern immer um die Frage, wie ich mit diesen Gedanken mein Leben bereichern könnte. Denn die Welt ist, das wissen wir heute dank der Quantenphysiker, wesentlich fantastischer als wir bisher dachten.

Und das bedeutet, dass ich noch jede Menge Möglichkeiten habe, die ich noch gar nicht kenne. Leider. Also setze ich mich bewusst damit auseinander und beziehe es auf mein eigenes Leben.