Die Kunst, nichts zu sagen

Das ist gar nicht so einfach, denn es setzt wesentlich mehr voraus, als einfach nur einmal die Klappe zu halten. Das verlangt von mir eine ganz andere Haltung dem Anderen gegenüber, eine Haltung, die ohne jegliches Bewerten und Beurteilen ist. Das ist etwas ganz anderes als einfach nur nichts zu sagen!

Als ich begriff, dass ich einen anderen ja überhaupt nicht wahrnehmen kann, wenn ich seine Haltung oder was auch immer gleich bewerte und beurteile, wurde mir immer bewusster, wie tief verwurzelt diese Haltung in meinem Denken war und wohl auch noch ist. Und wenn der andere meine Meinung gar nicht hören will? Dann verbietet sich doch jede Meinung erst recht!

Es ist ja ein Unterschied, ob ich mit einer Handlung oder einem Kommentar zu beziehungsweise über mich selbst gegenüber klarkommen muss, oder ob ich überhaupt nicht beteiligt bin. Jedes Urteilen setzt voraus, dass es auch zu einer konkreten Handlung führen muss, sonst ist es doch nur ein Sturm im Wasserglas.

Obwohl nicht ganz, denn die damit einhergehenden negativen und letztlich verurteilenden Gedanken sind ja in der Welt. Und Gedanken bleiben nun einmal nicht in meinem Kopf, auch wenn ich das immer wieder einmal vergesse, nein, sie sind in der Welt – und wirken auch. Und dass Gedanken unsere Wirklichkeit gestalten, das wissen wir mittlerweile.

Eigentlich, denn es ist zwar Stand der Wissenschaft, aber nicht der des sogenannten gesunden Menschenverstandes. Wir kommunizieren ja auch über Pheromone oder eben Mems miteinander. Also muss ich mich auf den anderen einlassen, muss ich offen sein und sie oder ihn ohne Eigeninteresse und ohne Bewertung und Beurteilung wahrzunehmen bereit sein, also bereit sein, mich auf ihn einzulassen.

Es ist ein großer Irrglaube, dass wir dann schutzlos wären, denn das Gegenteil ist der Fall, dann schützt uns nicht mehr unser Urteil, sondern Bewusstheit. Und das ist kein Mystizismus, sondern angewandte Physik. Wie sagte doch Max Planck? „Wenn Sie die Art und Weise ändern, wie Sie die Dinge betrachten, ändern sich die Dinge, die Sie betrachten.“

Albert Einstein hat es so formuliert: „Alles ist Energie und dazu ist nicht mehr zusagen. Wenn du dich einschwingst in die Frequenz der Wirklichkeit, die du anstrebst, dann kannst du nicht verhindern, dass sich diese manifestiert, es kann nicht anders sein. Das ist nicht Philosophie, das ist Physik.“

Mich auf die Wirklichkeit einzuschwingen bedeutet bereit zu sein, mich einzulassen. Lasse ich mich nicht auf das ein, was ist, dann kann ich mich auch nicht auf die Wirklichkeit einschwingen, dann bleibe ich in meinen Vorstellungen gefangen. Doch das will ich nicht. Darum übe ich mich in der Kunst keine Meinung zu haben, sondern bewusst zu sein.

Ich dachte immer nur, ich selbst zu sein,
doch nein – ich war stets du
und wusste es nicht.

Rumi

Nur ein Kôan ist wichtig:
Du.

Ikkyû Sôjun

„Eigentlich“ ist das vielleicht gar nicht so schwer, dieses Kôan zu lösen. Einfach nicht beurteilen und nicht bewerten, keine Meinung mehr zu haben, auf jegliches Ich-Denken zu verzichten und es wird offensichtlich. 

Also ich probier es mal.