Die Sache mit der Logik

Was ich für logisch halte, muss es nicht auch für einen anderen sein. Ich bin Jurist, daher ist mir die Problematik der Logik bewusst. Verstehen kann man die nur, wenn man dem zugrundeliegenden Prinzip folgt, es für richtig hält, zumindest akzeptiert.

Das Recht erzeugt den Begriff der juristischen „Person“, eine Fiktion und Konstruktion des wissenschaftlichen Denkens.“ Eine Tatsache, die meine früheren Mandanten oft nicht gesehen und demzufolge auch selten verstanden haben.

Ein Beispiel:

Zwei jüngere Studenten begegnen sich in der Universität:

Peter: Guten Tag, Paul! Was machst du für ein finsteres Gesicht?
Paul: Ach, mein Übungsschein im Zivilprozeßrecht ist hin.
Peter: Wieso?
Paul: Du kennst doch die Klausur, die vor zehn Tagen bei Professor Schlau geschrieben worden ist?
Peter: Nein, ich habe sie nicht mitgeschrieben.
Paul: Der Fall lag vereinfacht so: A hatte gegen B Klage auf Herausgabe eines Ölgemäldes erhoben. Der Amtsrichter verurteilte den B nach mündlicher Verhandlung und fragte ihn anschließend, ob er auf Rechtsmittel verzichte. B, der den Richter mißverstanden hatte, bejahte das. Einige Tage später erkannte er den Irrtum und erklärte unverzüglich gegenüber dem Gericht und dem A, daß er seine Erklärung anfechte.
Peter: Hm, lag denn nach dem Sachverhalt ein Anfechtungsgrund vor?
Paul: Ja, §119 BGB war einwandfrei gegeben. B hatte sich bei der Abgabe seiner Willenserklärung über deren Inhalt geirrt. Ich habe auch die Wirksamkeit der Anfechtung bejaht. Der Korrekturassistent hat mir nachher gesagt, das sei falsch. Die Arbeit war jedenfalls mangelhaft.

Der Fehler, den Paul machte, ist alt. Paul hat in seiner Klausur materiellrechtliche und prozessuale Willenserklärungen verwechselt. Daher bejahte er die Wirksamkeit einer Anfechtung, die es im Verfahrensrecht nicht gibt. Er hat feststehende Begriffe durcheinander geworfen und ist deshalb zu einer unrichtigen Schlussfolgerung gelangt. Wer sich die Mühe machen würde, derartige Denkfehler zu sammeln, könnte ein Buch damit füllen.

Viele, die das gelesen haben – und keine Juristen sind – reagieren auf diesen Text nur mit Stirnrunzeln. Das ist so, weil sie die juristische Logik nicht kennen. Ohne die Logik zu kennen, versteht man den Text nicht.

Logik ist eine Form, der unsere Argumentation folgt. Dumm nur, wenn man sich dessen nicht bewusst ist. „Meine“ Logik ist vielfach durch das Denken Krishnamurtis beeinflusst, mit anderen Worten: Durch mein Weltbild, wie ich die Welt eben verstehe.

Wer aber dieses Weltbild nicht versteht, versteht auch „meine“ Logik nicht. Andererseits kann ich auch einen anderen nicht verstehen, wenn ich mir seiner Logik und eventuell meiner anders verlaufenden Logik nicht bewusst bin. Hier können Sie weitere Gedanken zu dem Thema „Logik“ lesen

„In der Wissenschaft ist der Inhalt wesentlich an die Form gebunden.“ das schrieb Hegel in „Grundlinien der Philosophie des Rechts“. Daher weiß ich nur, was sich meinen Denkformen fügt.

Ein scheinbar ernstes Problem. Übrigens ein gutes Beispiel für den Charakter eines „Problems“. Sobald man es erkannt hat, ist es nämlich weg.