Erkennen, was stimmig ist

Mir geht es vielleicht ähnlich wie Ueshiba Morihei, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Synthese unterschiedlicher Budō-Disziplinen entwickelte, weil er des Kämpfens müde geworden war, vor allem, weil er das Destruktive daran nicht mehr zu rechtfertigen suchte, sondern erkannte, dass es ganz einfach nur falsch ist zu kämpfen – und Aikidō entwickelte.

Leider werden Aikidōka oft in einer eher martialischen Haltung dargestellt, was jedoch der Philosophie absolut nicht entspricht, geht es doch niemals darum zu siegen, sondern sich einfach nur eines Angriffs zu erwehren – wenn es notwendig ist. Und um nichts anderes geht es auch in meinem Leben, mich des Falschen zu erwehren, aber nicht gegen etwas anzukämpfen.

Die Gedanken des Aikidō leben zu können heißt, sich selbst gegenüber offen und absolut ehrlich zu begegnen. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass man eine schreckliche Familiengeschichte in etwas Gutes verwandeln kann, wenn man sich ihr stellt.

Steht nicht schon in der Bibel, dass auch Satan umkehren und wieder ein Engel sein kann? Denn das Böse an sich gibt es nicht, sondern nur Handeln zeigt sich als unheilsam und böse. So habe ich versucht, aus dem Fluch einen Segen zu machen und mich gefragt, was Menschen böse werden lässt.

Es ist nun einmal so, dass ich wie jeder Mensch die Anlage für beide Seiten in mir trage. Auch ich habe den Satan und den Engel in mir. Und es ist meine Verantwortung, welche Seite ich lebe. Doch die „richtige“ Seite zu leben setzt voraus, dass ich mir bewusst bin, was mich so oder anders sein lässt.