Restart

Nichts Neues beginnen wollen, sondern einfach schauen, was schon da ist, leider nur vergessen wurde.

Denn es gibt einen guten Grund, optimistisch zu sein:

Immer mehr Menschen erkennen, dass die Rede vom Kampf, beispielsweise gegen den Klimawandel, oder für die Rechte von etwas oder jemandem schon Teil des Problems ist: einem Denken in Abgrenzungen, im Modus des Gegeneinander, der Abtrennung und Gegenüberstellung. Mensch versus Natur und sogar auch Mensch gegen Mensch.

Es geht nicht nur um wichtige, sondern um fundamentale Fragen:

    • Ein anderes Verhältnis zur Natur
    • Ein Denken, das der Welt gerecht wird
    • Ein neues altes Verständnis von uns selbst

Ein Denken, das das Ganze in den Blick nimmt!

Dieses Denken ist nicht wirklich neu, wir müssen uns nur wieder daran gewöhnen.

Worum es geht

Wie Krishnamurti denke ich, dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist.

Der Mensch kann nicht zur Wahrheit geführt werden, weder durch ein Ritual und auch nicht durch philosophisches Wissen noch kann er durch eine psychologische Technik zu ihr gelangen.

Wir sind aufgerufen, sie im Spiegel unserer Beziehungen selbst zu erkennen, durch das Verständnis der eigenen Geistesinhalte, durch Beobachtung und nicht durch intellektuelle Analyse oder durch zergliedernde Innenschau.

Wir wissen heute sehr, sehr viel, von der Quantenphysik über die Wissenssoziologie bis hin zur Neurologie. Doch dieses Wissen wird erst dann verfügbares Wissen, wenn wir es in der inneren Einsicht verifiziert haben und wenn wir es auch konkret anwenden, heißt, wenn wir es auch konsequent validieren.

Wir müssen uns endlich aus dem Gefängnis unserer Gedanken, Vorstellungen, Annahmen und Meinungen lösen. Das hat sehr viel mit der Neuroplastizität des Gehirns zu tun. Entweder, es wird „von außen“ gestaltet und wir fühlen uns als Opfer der Umstände oder wir gestalten bewusst, wie und was wir denken.

Nur so können wir wirklich leben.

Peter’s Traum

Träume sind ein Vorgriff auf das, wie es sein könnte.
Und was man tun müsste, damit genau das möglich wird.

Mein Traum und vielleicht auch der des einen oder anderen ist, dass wir alle die Welt und uns selbst so sehen und auch so handeln, als wären wir das ‚in sich differenzierte Eine‘; als wären wir ein einziger Körper (oder ein Organ, wenn man es kosmisch sieht) und jeder Mensch darin einem bestimmten Bereich (Beziehung, Kommune, Region, Land) mit einem bestimmten Beruf zugehörig wäre, dabei aber immer dem Ganzen verpflichtet.

Denn genau das sind wir, ob es uns bewusst ist oder nicht.

Das ist der metaphysische Blick auf unser Menschsein, der auch wissenschaftlich immer grundlegender bestätigt wird. Metaphysik und Wissenschaft treffen sich nach einer langen Zeit der Trennung wieder. Und das lässt mich optimistisch denken.

Worauf es ankommt

Kürzlich habe ich einen sehr interessanten Artikel gelesen, der der Frage nachging, wie man Fleisch idealerweise brät. Darin stand eine gute Geschichte:

Ein Koch briet sein Fleisch, als ein Gast kam und ihn fragte, wie lange er das Fleisch denn braten würde. Die Antwort war: „Bis es 65° hat.“ „Nein“, antwortete der Gast, „ich wollte nur wissen, wie lange Sie es in der Pfanne lassen!“ Die Antwort war: „Bis es 65° hat.“

Jedem Koch ist klar, dass die Temperatur über die Qualität entscheidet und nicht die Zeit! Und noch etwas Schönes stand in dem Artikel; ein Zitat von Kant, nämlich dass nicht die jeweilige Philosophie wichtig sei, sondern allein die Fähigkeit zu philosophieren.

Nicht anders ist es beim Motorradfahren. Oder beim Kochen. Oder im Gespräch. Es sind immer die selben Regeln.

Qualität

Im Grunde fängt es damit an. Mein eigener Anspruch an mich definiert, wie ich Motorrad fahre. Das ist in mehrfacher Hinsicht entscheidend. Einmal die Qualität des Materials sowie der Kleidung, aber auch die Qualität meines Fahrstils. Will ich nur schnell oder vor allem gut fahren?

Was wiederum Offenheit voraussetzt, denn körperliche Beweglichkeit setzt letztlich mentale Offenheit voraus, die Basis für Kondition und die erforderliche Propriozeption. Was man im Sport weiß, dass es ohne nicht geht.

Dazu gehören auch Autonomie und Gleichmut. Nie etwas tun, nur weil der vor mir „mich zieht“ oder der hinter mir „mich drückt“! Immer den eigenen Weg gehen. „Dabei sein wollen“ statt einfach zu denken „ich geh meinen eigenen Weg“ tut schnell weh. Und selbst wenn mir einer die Vorfahrt nimmt, rege ich mich nicht auf, sondern weiche aus. Mich aufzuregen kostet Zeit. Und mich hinterher aufzuregen kostet Energie.

Wissen

Damit fängt es an, ernst zu werden. Je präziser ich Dinge weiß, etwa die physikalischen Gesetze, die beim Motorradfahren eine Rolle spielen, desto besser werde ich fahren können. Doch Wissen muss ich verifizieren, denn nur implizites Wissen kann ich auch nutzen.

Auch Wissen „schläft ein“, daher muss ich es immer wieder von neuem validieren. Wie heißt es im Zen? Mit dem Üben kann man aufhören, wenn man gestorben ist. Also permanente Verbesserung!

Das bedeutet auch bereit zu sein, nicht nur aus meinen Fehlern, sondern auch von den Meinungen anderer zu lernen, selbst wenn ich denke, ich wüsste oder könnte es bereits.

Selbstüberwindung

Vieles kostet immer wieder Überwindung, denn alte Gewohnheiten, Denkstrukturen und auch Ängste lauern an jeder Ecke. Aber nicht die muss ich überwinden, sondern das Ich-Denken!

Das setzt zwingend Leichtigkeit voraus. Motorradfahren gelingt – wie alles andere auch – nur so, nie mit Anstrengung. Was nicht bedeutet, dass ich nicht auch ins Schwitzen komme, aber durch Bewegung und nicht durch Anstrengung!

Vor allem nicht zu denken kostet Überwindung, Deshalb vermitteln das Motorradfahren das Gefühl von Freiheit, denn es zwingt mich in das Hier und Jetzt. Nur in dieser Präsenz kann ich auch dort hinschauen, wo ich hin will. Was zu Beginn anstrengend wirkt, ist es nicht, ich kann nur mehr und mehr meine Ichhaftigkeit lassen. 

Bewusstheit

Einfach alles rund um mich und vor allem auch alles in mir wahrnehmen. Merke ich, dass ich abgelenkt bin – runter vom Gas! Anhalten und einmal tief durchatmen! Diese Bewusstheit ermöglicht mir auch, mit allem in Kontakt sein, vor allem mit den anderen Verkehrsteilnehmern. „Siehst Du mich?“ ist immer eine sehr gute Frage, denn in der Bewusstheit eröffnet sich eine andere Art der Kommunikation.

Voraussetzung dafür ist vollkommene Achtsamkeit, sonst nehme ich nicht wahr, was alles um mich herum ist. Dazu gehört auch eine innere Spannung, was etwas ganz anderes als Anspannung ist. Anspannung mach mit starr, Spannung aber hält mich beweglich und flexibel. 

Das verträgt sich auch nicht mit zu werten und zu urteilen, denn das lenkt ab von dem, was wirklich ist. Nur so bewahre ich mir die erforderliche Flexibilität wie meine Reaktionsfähigkeit.

Flow

Und dann, wenn mir keine Hindernisse mehr im Weg stehen, dann bin ich Eins mit dem Motorrad und der Welt.