Die Wahrheit über mich selbst

Damit fängt es an, mit dem offenen Blick in den Spiegel. Dazu brauche ich gedankliche Propriozeption.

Der sechste Sinn oder die Propriozeption sagt mir, wo sich die Teile meines Körpers befinden, auch wenn ich nicht hinschaue. Hätte ich ihn nicht, könnte ich den Reisverschluß an meiner Jacke nicht zumachen, ohne hinzuschauen.

Der siebte Sinn geht darüber hinaus. Er macht mir bewusst, welcher Ideologie und welchem Weltbild ich folge, auch ohne dass ich darüber reflektiere.

So, wie man seinen sechsten Sinn, seine Propriozeption, trainieren kann, kann man auch seine „Propriozeption im Denken“ trainieren, indem man sie praktiziert. Nur dann kann ich mir meiner selbst wirklich bewusst sein.

Wirkliches Selbstbewusstsein – das ist das Kriterium des Lebens!

Einsicht

So wie das einzelne Sandkorn der Strand ist, so ist auch der einzelne Mensch die Menschheit selbst. Gäbe es den einzelnen Menschen nicht, gäbe es auch keine Menschheit.

Dies zu erkennen und zu verstehen befreit mich aus und von der mich selbst begrenzenden Sinnsuche.

Solange ich einen Sinn in meinem Leben suche, trachte ich danach, etwas nicht Benennbares in ein Kleid der Begriffe zu kleiden.

Höre ich jedoch auf, mich mit etwas Sinnlosem zu beschäftigen, mich sozusagen umdrehe und auf das schaue, was ist, dann gibt das meinem Leben Sinn, ohne dass ich einen Sinn benennen könnte.

Ja, es gibt einen Sinn, doch den finde ich nur in dem, was ist und vor allem in dem, was ich tue.

Selbstverständnis

Um zu erkennen, wie ich bin, brauche ich nur in den Spiegel zu schauen. Weshalb ich bin, wie ich bin, oder weshalb ich so oft nicht bin, wie ich gerne wäre, dafür brauche ich Verständnis, das Verständnis dessen, was ist.

Das wiederum setzt voraus, die inneren Strukturen zu kennen. Und genau da hakt es. Was bisher für mich selbstverständlich war – ist es das wirklich? Das gilt es zu ergründen.

Ich gehe daher nicht mehr davon aus, dass ich mir sicher sein kann, dass das, was ich für gegeben halte, auch wirklich so ist. Ich habe gelernt, konstruktiv zu zweifeln.

Dialog

Der Dialog ist das Tor zur Welt, so wie die Stille das Tor zum  Selbst ist.

In der Stille gründen wir im Ursprung, im Dialog entfalten wir uns in der Beziehung zur Welt. Hier finden sich Subjekt und Objekt als untrennbar Eines in der Beziehung wieder.

Im Dialog verlassen wir die Welt der Konvention, legen ausgeblendete Konflikte offen und verantworten unseren Aspekt in der Beziehung durch Selbstreflexion.

Im Dialog begegnen wir dem Anderen ohne jegliches Urteil, verzichten vollkommen darauf, uns durchsetzen zu wollen. Hier beginnt das Gemeinsame, die gemeinsame Suche nach Sinn, nach Lebenssinn.

Tanz auf dem Seil

Ja, das Leben ist ein Tanz. Ob ich lieber einen Tango oder einen Schieber tanze, darin spiegelt sich meine Haltung. Aber immer ist es ein Tanz wie auf einem Seil.

Die Herausforderung ist, das Seil immer dünner werden zu lassen, so lange, bis ich keine äußeren Hilfen mehr brauche, um in Balance zu bleiben.

Verliere ich die Balance, falle ich. Und so ist es auch im Leben. Immer wieder habe ich die Balance verloren, aber ich gebe nie auf, wieder auf das Seil zu kommen.