Wendepunkt

Einen Wendepunkt setzen kann ich nur, wenn ich weiß, was wirklich war, wenn ich auch weiß, was wahr ist und wenn ich darunter einen Schlusspunkt gesetzt habe. In einem Artikel von Frau Zollner über meinen Bruder, unseren Vater, mich und die Vergangenheit steht am Ende dieser Satz:

Der Bruder, die Enkel, sie tragen, wie in so vielen deutschen Familien, das Schweigen der Eltern weiter.

Für mich ist klar, dass ich nur dann wissen kann, was ich vielleicht übernommen habe, wenn über die unheilvollen Taten der vorherigen Generationen spreche. Daher habe ich mich entschieden, das Schweigen zu brechen und zu sagen wie zu dokumentieren, was ich weiß.

Doch das ist nur der erste Schritt. Denn letztlich geht es darum herauszufinden, welchem Weltbild die Täter folgten und was davon noch in mir selbst lebendig sein kann.

Für mich als Nachkomme ist es wichtig zu wissen, was meine Eltern gedacht haben, schließlich habe ich mich ja nicht selbst erzogen, sondern bin in ihrer Kultur groß geworden.

Zu erkennen, was mich ausmacht, ist nicht so einfach, bedeutet es doch Selbstverständlichkeiten und kulturellen Gewohnheiten auf den Grund zu gehen, all den Dingen, die ich eben mache aber nicht wirklich weiß, weshalb ich sie mache.

Das bedeutet herauszufinden, wie sie gedacht haben. Waren es „ganz einfach“ nur naturalistische Fehlschlüsse im Denken, das Vertauschen von Wert und Fakten, wie fragmentiertes Denken, die dieses Unheil bedingten?

Wenn dem so ist, und ich glaube wirklich, dass es so ist, auch wenn das angesichts der Taten erschreckend banal klingt, dann wird es Zeit, sich um die eigenen Denkstrukturen zu kümmern.

Was also, wenn das kollektive Denken von unzutreffenden Annahmen ausgeht, ganz einfach, weil unser Weltbild unzutreffend weil unvollständig ist? Diesen Gedanken gehe ich auf dieser Website nach.

Dann wird der „Schlusspunkt“ vielleicht zu einem wirklichen Wendepunkt.