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Wie ich die Welt sehe

Die Menschen schlafen solange sie leben.
Erst in ihrer Todesstunde erwachen sie.

Aus 1001 Nacht, 15.Nacht

Die positive Perspektive

Der Mensch ist kein Tropfen im Ozean,
nein, er ist der Ozean in einem einzigen Tropfen.

Die negative Perspektive

Doch er verhält sich wie das Sandkorn,
das so gerne der Strand wäre,
weil es einfach nicht begreift,
dass es doch der Strand ist.

Und darum sucht es schöner zu sein
als all die anderen Sandkörner,
sucht sich abzugrenzen,
will klüger sein
und fragmentiert sich dabei,
nicht wissend,
dass es sich so selbst reduziert.

Anmerkungen zu Weltbildern

Blöd ist, wenn ich in meinem Weltbild wie in einer Blase lebe und aus dieser Blase heraus die Welt wahrnehme, eine Blase, die sich manchmal mit anderen Blasen verbindet, sich gegen wieder andere jedoch abgrenzt. Blöd ist auch, wenn ich nicht bereit bin, mein Weltbild immer wieder zu hinterfragen und wenn mir nicht bewusst ist, was ich nicht weiß.

Weltbilder bedingen immer wieder die paradoxe Situation, dass man sie nur intuitiv erfassen kann, doch das heißt nicht, dass es nicht auch sehr viel Wissen gibt, das man philosophisch in sein Weltbild „einbauen“ kann und auch muss, wenn man nicht ins Mystizistische abgleiten will.

Ein Weltbild kann nie vollständig sein und ist auch idealerweise ständig in Bewegung mit dem Wissen und den Erkenntnissen des Einzelnen; der „sein“ Weltbild meist aber am liebsten in Stein gemeißelt sehen würde. Vielleicht der Grund, warum das Aufgeben eines Weltbildes, selbst dann, wenn vieles dafür spricht, erst einmal als Scheitern angesehen wird - obwohl es doch ein Fortschritt und eine Bereicherung wäre.

Der wirkliche Ärger mit Wahrheiten und auch mit Weltbildern ist, dass es sie nicht gibt, es sind nur Beschreibungen der Wirklichkeit aus den unterschiedlichsten Perspektiven, so, wie sie jeder für sich wahrnimmt; um sie dann in ein philosophisches Konzept zu packen, mal mehr, mal weniger bewusst, aber immer, um sich in der Welt zu orientieren.