Peter D. Zettel
Ich. Mein größtes Rätsel.

Shén-Dō - Weg des Geistes

Durch die Verengung des Weltbilds auf einen kontrollierten Ausschnitt der Wirklichkeit wird die Angst vor der Weite des Daseins aus dem Bewusstsein beseitigt. Statt ohne Wenn und Aber in der Welt zu stehen, richtet sich das Ego in einem Ausschnitt persönlicher Sichtweisen ein. Dort kann es glauben, dass es nicht mehr an sich zweifeln muss. Aus gefühlter Angst ist eine Illusion der Sicherheit geworden.

Durch den ‚Weg des Geistes‘ lösen wir uns aus der Konvention und den damit einhergehenden Abwehrmechanismen, durch die man ein solches überschaubares Weltbild aufrechterhält. Dazu gehören Fakten, die man nicht wahrhaben will ebenso wie Gefühle und Handlungsimpulse, vor denen man zurückschreckt.

Der ‚Weg des Geistes‘ orientiert sich an ‚Gongfu‘. Das Wort ist aus den Schriftzeichen Gōng (功 ‚Errungenschaft‘) und Fū (夫 ‚reifer Mensch‘) gebildet. Der zusammengesetzte Begriff hat in der chinesischen Philosophie eine tiefgehende Bedeutung:

Es ist das Unterfangen des Menschen, sich durch ständiges Bemühen zu vervollkommnen. Was immer wir auch tun, stets kommt in unserem Tun unsere innere Verfassung zum Ausdruck. Wenn wir unser Handeln vervollkommnen, vervollkommnen wir uns selbst.
Taisha Abelar

In diesem Sinne ist Gongfu (Kung Fu) die Arbeit an der eigenen Person durch die konsequente Hingabe an eine Kunstfertigkeit. Hier ähnelt der Begriff der Verwendung des Begriffes Dō (= Weg, Pfad) in den traditionellen japanischen Künsten. Neben der wörtlichen Bedeutung ist dies auch ein Hinweis auf die spirituellen Dimensionen und den Einfluss des Dō auf die Praxis der einzelnen Disziplinen.

Eine solche Kunst in allem zu sehen, was man tut - das ist wahre Kunst!

Die Gedanken, die ich denke, gestalten die Welt. Zwar minimal, nur sie tun es. Dabei ist es wie mit dem Sandkorn und dem Strand. Ein Sandkorn wünschte sich einmal so sehr, der Strand zu sein und nicht nur so ein winziges Sandkorn - bis es begriff, dass es den Strand ohne es gar nicht geben konnte, dass der Strand ohne es nicht existieren würde.

Es gibt keinen Strand, nur die Gemeinschaft der Sandkörner.